Multikulturelles Sommerfest

Im Frühling hatten einige engagierte Menschen die Idee, mit Jugendlichen aus der Umgebung und motivierten Flüchtlingen gemeinsam ein multikulturelles Fest zu organisieren. Die Grundidee war, ein festliches Nachmittagsprogramm im Freien, mit Workshops, Gartenspielen und Kooperativen Spielen für die einheimische Bevölkerung und Asylwerber aus den städtischen Heimen zu veranstalten. Es sollte einen offenen, bunten Rahmen zur Begegnung und Interaktion bieten und mit einem gemeinsamen „kooperativen Picknick“ ausklingen.

(Durch die Unterkunft vieler Flüchtlinge im gleichen Gebäude/Flüchtlingsheim, wie es in vielen Dörfern und Städten Österreichs der Fall ist, geschieht Kontakt zur lokalen Bevölkerung und somit zur Kultur und Sprache oft nur schwer.)

Herausforderung:
Es sollte klare Aufgabenbereiche und Ansprechpartner bei jeder Station geben. Alleine verliert man sonst schnell den Überblick. Man sollte auch unbedingt einen Koordinator festlegen, der auf spontane Wünsche und Ereignisse bzgl. der Organisation während des Festes selbst eingehen kann. Betont, dass wirklich jeder gerne mitmachen kann und versucht anfangs die Leute direkt zu motivieren. Vor allem Frauen und Mädchen sollen sich auch ermutigt fühlen. Soweit es geht soll Durchmischung gefördert werden, damit die Leute offen für neue Kontakte sind und sich aus ihren eigenen, gewohnten „Grüppchen“ hinaus trauen. Plant unbedingt Pufferzeiten und variable Stellen in das Programm ein, da man nie weiß, ob das Programm mit der aktuellen Stimmung der Leute harmoniert. Es ist auch gut am Ende die Besucher zu bitten, alle schnell ihren Müll und ihr Geschirr zu sammeln. So geht es flott und der Platz wird sauber hinterlassen.

Nutzen/Vorteil:                                                 Ziel war es, einen Raum zu schaffen, indem sich „Alteingesessene“ und „Neuankömmlinge“ begegnen, kennen lernen und sich wohl fühlen können. Es wäre schön, wenn Flüchtlinge den ein- oder anderen Kontakt knüpfen. Durch das Fest sollte der Einstieg für sie leichter und nachhaltige Integration möglich gemacht werden. Gleichzeitig können mögliche Berührungsängste und Distanzen aufgebrochen werden.

 

Nach den ersten Workshops und Kennenlern-Spielen stellte sich eine sehr schöne Eigendynamik unter den rund 100 Besuchern ein und alle konnten das Fest genießen. Es war schön, dass es wirklich bunt und multikulturell besucht war, mit Leuten aus Südamerika, Afrika, Ungarn,… und es nicht nur die zwei „Extreme“ Österreicher und Flüchtlinge gab. Es wurde bis in den Abend hinein gemeinsam gelacht, getanzt, gefeiert sich ausgetauscht, voneinander gelernt, sich gegenseitig respektiert und bewundert. Besonders gefreut hat es uns, das Interesse jugendlicher Flüchtlinge uns bei der Organisation zu helfen und selbst Workshops und Übersetzungsrollen zu übernehmen.

Organisatorisches:
Die Organisation des Nachmittages sollte so simpel und kostengünstig als möglich gehalten sein. Die Planungszeit war ungefähr ein Monat und die Durchführung dauerte rund 5 Stunden. Ca. jede halbe Stunde starteten parallel zwei Programmpunkte, die freiwillig von allen Besuchern belegt werden konnten, und das 6 mal, sprich 12 Programmpunkte in 3 Stunden. Das Programm wurde zuvor von den Teams „Workshops“ und „Spiele“ ausgearbeitet und bestand aus einfachen Aktivitäten, die die Organisatoren selbst anbieten konnten. Es gab beispielsweise eine Slacklinestation, einen Tanz-Workshop und einen Percussionworkshop (volles Programm siehe unten).  Umrahmt wurde es von Musik, die sich die Besucher selbst „wünschen“ durften. Die Programmpunkte und Anleitungen wurden mehrsprachig gestaltet: Deutsch, Farsi, Spanisch und Englisch durch die Mithilfe von jugendlichen Asylwerbern.
Jeder Gast sollte etwas zu essen/eine Spezialität aus seinem Heimatland mitbringen, damit man bei dem anschließenden kooperativen Picknick viele Dinge teilen und kosten kann.

 

Die Infrastruktur bot uns Großteils die Pfarre: Geschirr und Besteck, Heurigengarnituren und Lautsprechen mit Mikrofon wurden uns  zur Verfügung gestellt. Auch der Ort, eine Pfarrwiese mit kleinem Kirchengebäude (Ausweichmöglichkeit bei Schlechtwetter) und Kinderspielplatz konnten wir benutzen.

Workshops sahen wie folgt aus:

  • Tanzworkshop: Es wurden traditionelle Heimische Tänze wie Walzer und Schuhblattler mit Musikbegleitung angeleitet. Auch die Asylwerber, die bei der Organisation halfen, leiteten afghanische und syrische Tänze an. Lateinamerikanisch wurde schließlich auch getanzt.
  • Kennenlernspiel: Das Spiel „Minicontacta“ war ein großer Erfolg. Viele Besucher fanden sich in einem großen Kreis zusammen um dann in Paaren kleine Konversationen zu führen und kleine Aufgaben zu meistern.
  • Theaterworkshop: Die Teilnehmer sollten in wenigen simplen Übungen ihre schauspielerischen Fähigkeiten zeigen. Die kleinen Impro-Theateraufgaben waren sehr beliebt.
  • Percussionworkshop: Alle Musikbegeisterten bekamen die Möglichkeit, sich zusammen zu finden und gemeinsam zu musizieren und zu singen. Es gab ein Cajon, eine Gitarre, einige Trommeln und eine Kiste voller Percussioninstrumente wie Rasselln, Klangstäbe und Triangeln. Ein voller Erfolg!
  • „Mein Name auf …“: Dieser Sprachworkshop bat die Möglichkeit einige Sprachen kennen zu lernen. Einfache Phrasen und die Buchstaben des eigenen Namens wurden auf Deutsch, Farsi, Arabisch und Spanisch übersetzt und erarbeitet.

Spiele:

  • Kooperative Spiele: Teambuildingspiele und Gruppenspiele aus dem Internet wurden erarbeitet und angeboten.
  • „Kub“/“Wikingerschach“: Dies ist ein Gartenspiel, bei dem Geschicklichkeit gefragt ist. Zwei Teams versuchen abwechselnd mit Holzstöcken die Holzklötze des gegnerischen Teams umzuschießen. Diese Station blieb den ganzen Nachmittag aktiv und es fanden sich immer wieder motivierte Teams.
  • Akrobatik-Station: Zwischen drei Bäumen wurden „Slacklines“ gespannt auf denen man balancieren konnte. Es gab außerdem Jonglierbälle und Leute, die Handstände und Räder vorzeigten.
  • „Save the Egg“: Die Interessierten wurden in Gruppen zu je 3-5 Personen aufgeteilt. Jede Gruppe erhielt ein rohes Ei und Materialien wie Schere, Strohalme, Schnüre, Klebeband, Zeitungspapier und Karton. Damit sollte in 10 Minuten ein Objekt für/rund um das Ei konstruiert werden. Ziel des Spieles war es, das Objekt mit dem Ei aus Kopfhöhe auf den Boden fallen/segeln zu lassen, ohne, dass das Ei beschädigt wird.

„Kooperatives Picknick“:
Fast alle Besucher haben die Bitte auf der Einladung (Facebook und Plakate in der Stadt) wahrgenommen und etwas zu Essen/Trinken zum Teilen mitgenommen. So hatten die Organisatoren minimalen Planungssaufwand bzgl. Verpflegung und gleichzeitig kamen die Besucher über die verschiedenen Speisen ins Reden und lernten Kulinarik anderer Kulturen kennen. Nach diesem Essen klang der Tag langsam in netten Konversationen aus. (Siehe dafür auch Multikultureller Abend!)

Ort:  2130 Mistelbach (Niederösterreich)

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